Die bisherigen Aufnahmen des Riesensterns Beteigeuze (l., m.) und die neue, bislang schärfte Aufnahme | Copyright: exo.orgBonn/ Deutschland - Einem internationalen Team von Astronomen unter der Leitung von Keiichi Ohnaka vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn ist die bislang schärfste Darstellung eines sterbenden Riesensterns gelungen. Danach bewegt sich das Gas in der Atmosphäre von Beteigeuze in gewaltigen Blasen heftig auf und ab, und diese erreichen fast die Größe des Sterns selbst.
Wie die Forscher in der kommenden Ausgabe des Fachmagazins "Astronomy & Astrophysics" darlegen, handelt es sich bei Beteigeuze im Sternbild Orion um einen sogenannten roten Überriesen mit einem gewaltigem Durchmesser: An die Stelle unserer Sonne versetzt, würde er die inneren Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars verschlucken und sich fast bis zur Umlaufbahn von Jupiter ausdehnen. Am Nachthimmel strahlt Beteigeuze extrem hell da er über 100000-mal mehr Licht aus als unsere Sonne abstrahlt.
Der rote Riese befindet derzeit in der letzten Phase seines - für Sterne - ohnehin recht kurzen Lebens von nur einigen Millionen Jahren. Er ist unruhig und bläst in Form eines heftigen "Sternwinds" eine riesige Menge an Molekülen und Staub ins freie Weltall. Dieses Material fließt in den Kreislauf der Elemente und dient als Baustoff für die nächste Generation von Sternen, vielleicht irgendwann einmal auch für Planeten wie die Erde. Tatsächlich büßt Beteigeuze jährlich ungefähr eine Erdmasse an Substanz ein.
Doch wie genau verliert dieser Stern einen Teil seiner Materie, die normalerweise durch die Gravitation an ihn gebunden wäre? Am besten wäre diese Frage zu beantworten, wenn man diesen Prozess unmittelbar am Ort seiner Entstehung beobachten könnte - also dort, wo die Materie von der Oberfläche herausgeschleudert wird. Das stellt jedoch hohe Anforderungen an die Beobachtungstechnik, denn obwohl Beteigeuze einen Durchmesser von 1,3 Milliarden Kilometern besitzt (Zum Vergleich misst unsere Sonne "nur" 1,39 Mio. Kilometer), erscheint der Stern aufgrund seiner Entfernung von 640 Lichtjahren selbst in den größten Teleskopen lediglich als unscharfer rötlicher Fleck.
Aus diesem Grund nutzten die Astronomen um Ohnaka eine spezielle Beobachtungstechnik: die sogenannte Interferometrie. Hierbei werden zwei oder mehr Einzelteleskope zusammengeschaltet und liefern so eine wesentlich höhere Winkelauflösung als ein einziges Fernrohr. Das "Very Large Telescope Interferometer" (VLTI) auf dem Cerro Paranal in Chile, das von der Europäischen Südsternwarte (ESO) betrieben wird, ist eines der größten Interferometer der Erde.
Im Nahinfrarot-Bereich beobachtet ermöglichen die Messungen den bisher schärfsten Blick auf Beteigeuze. "Es ist uns gelungen, zum ersten Mal die Gasbewegungen in der Atmosphäre eines anderen Sterns als der Sonne räumlich aufzulösen. So können wir diese Bewegungen in unterschiedlichen Bereichen der Sternoberfläche studieren", erläutert Ohnaka.
Wissenschaftlich-künstlerische Interpretation der neuen Aufnahme und Daten von Beteigeuze. Das Bild zeigt, wie eine gewaltige Menge von Material von der Oberfläche des Sterns in den umgebenden Raum hinausgeschleudert wird. Der Durchmesser des Riesensterns übersteigt die Dimensionen des inneren Sonnensystems. | Copyright: ESO/L. CalcadaDie Beobachtungen zeigen, dass sich das Gas in der Atmosphäre von Beteigeuze mit Geschwindigkeiten von 40000 Kilometern pro Stunde auf- und abbewegt, erklären die Forscher auch in der Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft (mpg.de). "Der Durchmesser der beobachteten Gasblasen entspricht etwa dem der Marsbahn in unserem Planetensystem und erreicht damit die Dimensionen des Sterns selbst. Während die Astronomen über die exakte Ursache dieser heftigen Aktivität noch rätseln, zeigen die Messungen bereits jetzt, wie der Masseverlust bei dem roten Überriesen funktioniert: Die gewaltigen Gasblasen stoßen Materie von der Sternoberfläche in den umgebenden Raum aus. Das bedeutet auch, dass die Materie nicht ruhig und gleichförmig als Sternwind abfließt, sondern eher explosiv in Form von Materiebögen oder Klumpen."
Der Tod von Beteigeuze steht "unmittelbar" bevor, und schon in einigen Tausend bis Hunderttausend Jahren wird er als Supernova wie ein kosmisches Feuerwerk aufflammen. Da der Gigant der Erde vergleichsweise nahe steht, wird man ihn dann selbst mit bloßem Auge sogar am Tageshimmel sehen können.
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Roter Riesenstern Beteigeuze schrumpft dramatisch17. Juni 2009
Quellen: mpg.de / grenzwissenschaft-aktuell.de / eso.org